Fr, 14. November 2008
Kabelgebundene Tastaturen verraten Passwörter
Schweizer Forscher haben versucht, die elektromagnetische Abstrahlung von Tastaturen zu interpretieren und kamen zu schwerwiegenden Erkenntnissen: Ihnen gelang es, bei 11 verschiedenen Tastaturen, die alle kabelgebunden waren (via PS2 oder USB oder im Notebook eingebaut), sämtliche Eingaben mitzulesen. Dies ist mit bis zu 20 Meter Entfernung und zum Teil sogar durch Wände hindurch möglich.
Das Paper dazu ist noch im Peer-Review-Prozess und deshalb noch nicht öffentlich verfügbar. Es werden allerdings zwei Videos auf der Seite der Forscher gezeigt, die einige wesentliche Einschränkungen zeigen:
- Es werden die Interferenzmöglichkeiten des Zielobjektrechners zunächst reduziert, d.h. Stromkabel aus dem Laptop, kein externer Monitor etc. Das Testset besteht lediglich aus einem Laptop im Akkubetrieb und einer angeschlossenen Tastatur. Funktioniert das Abhören mit entsprechend angestöpselter Ausstattung etwa nicht?
- Es wird nicht gezeigt, ob und wie ein Kalibrierungsvorgang aussieht. Dieser ist auf jeden Fall nötig, da die gedrückten Tasten direkt aus dem gesamten elektromagnetischen Spektrum extrahiert werden
- Es wird vom Kameramann sehr langsam getippt, geschätzte 30 Zeichen/Minute. Dies lässt den Verdacht zu, dass bei höheren Tippgeschwindigkeiten keine Zeichenextraktion in gleicher Qualität möglich ist. Da die Forscher sich jedoch auf preiswertes Equipment beziehen und andeuten, dass mit Spezialhardware noch bessere Ergebnisse möglich wären, bleibt die Frage, ob Zehnfingersystemschreiber sicherer als Adler-Suchsystem-Tipper (Kreisen und Zuschlagen) sind oder ob in jedem Fall ausgelesen werden kann, sobald kalibriert ist.
- Die Software braucht verhältnismäßig lang, bis sie die getippte Taste identifiziert hat.
Vor einem guten Jahr habe ich auf Forschungen verwiesen, bei denen die Übertragung kabelloser Tastaturen abgehört wurde. Es stellte sich damals heraus, dass Microsoft-Tastaturen eine sehr, sehr schwache Verschlüsselung verwenden und somit ein echtes Sicherheitsrisiko darstellen.


